Noch
bis zum nächsten Tag des Kaffees am 24. September 2010

Andere Sitten

Ob als Caffè, Café, Coffee, Koffie, Kaffe, Kahvi, Kawa, Kofe, Cafea oder Kaféo, den Stellenwert des täglichen Kaffee-Genusses in anderen Kulturen kann man an traditionellen Besonderheiten ablesen.

Zum Beispiel an einem türkischen Gesetz aus frühen Zeiten. Danach konnte ein Ehemann die Scheidung verlangen, “wenn seine Gattin ihm den Kaffee verweigere”.

Zweifellos hat sich dieser Rechtsumstand bis heute verändert, allerdings ist Kaffee auch heute noch ein allseits besonders geschätztes Genussmittel. Er gehört in allen Ländern dieser Erde zum festen Bestandteilen der Kulturen.

Besonders interessante Kaffee-Geschichten und -Varianten "aus fernen Landen" können Sie hier erfahren: nur zum Schmunzeln und oder auch zum selber Ausprobieren!

Saudi-Arabien Italien Kanada USA Japan Frankreich Österreich Türkei Griechenland Thailand Großbritannien Äthiopien Zentralafrikanische Republik Deutschland Irland Schweden Argentinien Brasilien Spanien Syrien
Saudi-Arabien

Als Gast sind sie verpflichtet, gereichte Getränke anzunehmen.

Vor dem Servieren des Kaffees wird oft etwas Flüssigkeit auf die Erde verschüttet. Dieses geht auf ein Opferritual der Beduinen, die selbst in der Wüste daran dachten, Allahs durch diese symbolische Geste für ihre Vorräte zu danken.

Vom Kaffee trinken Araber nur die Flüssigkeit, der Satz verbleibt im Gefäss. Zum Kaffee wird normalerweise auch Wasser gereicht, das man zwischendurch mittrinkt.

Übrigens: Araber nennen ihre Kaffeekanne “Ibrik”.

Italien

In Italien trinkt man zuvorderst den Kaffee-Klassiker Espresso mit Zucker, natürlich aus den kleinen typischen Espressotassen. Häufig wird der Espresso aus der Siebträger Pumpenmaschine mit niedrigerer Wassertemperatur gewonnen, da sich dann weniger
saure Bestandteile aus dem Kaffeemehl lösen.

Bitte beachten: Ein Cappuccino ist ein "verlängerter" Espresso mit Milch, der nur vormittags und zumeist in einem Café genossen wird. Ab mittags bitte dann nur noch Espresso.

Übrigens: Der Cappuccino verdankt seinen Namen der Kapuze des Kapuzinermönchs - im Italienischen "Cappuccio". So wird auch dem Cappuccino eine Kapuze, seine weiße, üppige Schaumkrone aus aufgeschlagener Milch, aufgesetzt.

Kanada

In Kanada ist besonders der "Kopi Luwak" beliebt.

Ein halbes Kilo dieser Sorte kostet ungefähr 420 Euro. Der Geschmack: sehr würzig mit leichtem Karamel- bis Schoko-Geschmack.
Das Besondere an dem Kaffee ist aber nicht nur der Geschmack, sondern vor allem die Art der Herstellung. Die indonesische Mungo-Art "Luwak" wird nämlich zunächst mit Kaffeebohnen gefüttert. Die Magensäure und verschiedene chemische Vorgänge im Verdauungstrakt des Tierchens machen den Kaffee besonders würzig.
Die Bohnen werden aus den Exkrementen des Luwaks gelesen und anschliessend geröstet.

USA

Der neueste Trend für Kaffeetrinker kommt aus den USA.

US-Amerikaner mixen ihren Kaffee mit Milch und den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen wie Schokolade, Vanille oder Nuss.

Die Mixgetränke mit dem "gewissen Extra" werden zwischendurch getrunken - immer dann, wenn einen der Kaffeedurst überkommt, oder man eine kleine Pause machen möchte.

Japan

Besonders die jungen JapanerInnen mögen die eine besondere Kaffee-Variante: Kaffee mit Soja-Milch.

Das ursprünglich von einer japanischen Kaffeehaus-Kette kreierte Getränk ist so beliebt geworden, dass der Soja-Milch-Kaffee auch außerhalb von Japan seine Fans gefunden hat.

Das Getränk ist nicht nur wegen seines Geschmacks sehr beliebt, sondern auch weil die Nährstoffe der Soja-Bohne jung halten sollen. Inzwischen gibt es in Japan auch schon ein Haushaltsgerät, das aus Soja-Bohnen Milch presst.

Übrigens: Heißer Kaffee heißt "O hoto Kohi"

Frankreich

Café au lait ist das traditionelle Frühstücks-Getränk in Frankreich.

Er besteht zu gleichen Teilen aus Kaffee und heißer Milch und wird aus henkellosen, grossen Schalen getrunken.

Wichtig für einen originalen Café au lait: Kaffee und Milch müssen gleichzeitig eingegossen werden.

Österreich

Einspänner, Fiaker und Pharisäer werden zwar immer noch gerne genossen, die neuesten Trends heissen aber "Leopold" und "Josefine".

Ürsprünglich von einem Wiener Kaffeehaus kreiert werden beide Kaffee-Variationen mittlerweile in ganz Österreich genossen.

Der Mokka "Leopold" stammt aus Abessinien, der Heimat der weltbesten Mokkas.

Die Wiener Melange "Josefine", eine österreichische Variante des Milchkaffees beruht auf einem Mischungs - und Röstungsgeheimnis. Dabei handelt es sich um Top-Arabicas, handgepflückt und nach Wiener Art in der klassischen Rösttrommel geröstet.

Türkei

Selbstverständlich trinkt man Kaffee auch heute noch traditionell auf "türkische Art", der ältesten bekannten Methode der Kaffeezubereitung. Dabei wird der kräftige, aromatische Kaffee zusammen mit dem Wasser gekocht und mit dem Satz - seiner Seele - serviert.

Der typische Mokka erhält sein "verbranntes" Aroma durch die mechanische Herdkanne, die mehrfach und in verschiedenen Grössen in jedem türkischen Haushalt zu finden ist.

Übrigens: Angeblich soll aus der Art, wie sich der Kaffee in der Tasse absetzt, die Geschehnisse des folgenden Jahres vorhergesagt werden können.

Griechenland

Der typische griechische Kaffee wird zusammen mit Zucker gebrüht. Ganz traditionell genossen sollte er gemahlene
Kichererbsen enthalten, die für eine besondere "torfig-erdige" Geschmacksnote sorgen.

Wie in allen Mittelmeer-Ländern wird auch in Griechenland gerne eisgekühlter Café frappé oder Eiskaffee getrunken.

Übrigens: Ob als Frappé oder Coffeeshake: Kalte Kaffeegetränke sind gerade im Sommer eine erfrischende und stimulierende Alternative.

Thailand

Hier wird der Kaffee so getrunken, wie er in der Tasse kommt. Das bezieht sich allerdings nur auf den Verzicht auf Milch.

Thailänder geben gerne Gewürze und viel Zucker bei: je nach Geschmack. Nennen wir es (bis auf die Milch) pure Kaffee-Liberalität.

Frei übersetzt heisst ein thailändisches "Motto": Kaffee sollte schwarz wie der Teufel, heiss wie die Hölle, pur wie ein Engel und süss wie die Liebe sein.

Grossbritannien

Besonders England gilt als die Nation der Teetrinker. Weit gefehlt.

Die einzige Abweichung gegenüber dem europäischen Durchschnitt liegt in der favorisierten Form der Kaffeeveredelung: Zu 80 Prozent wird löslicher Kaffee getrunken.

Ansonsten bevorzugen Briten einen feinen, nur leicht gerösteten Kaffee mit etwas säuerlichem, aber nicht bitteren Geschmack. Man genießt ihn vorwiegend mit Milch oder Sahne.

Äthiopien

Mit den arabischen Ländern gehört Äthiopien zu den "klassischen Mokka-Ländern".

Dem äthiopischen Mokka werden traditionell Gewürze beigemengt. Zumeist handelt es sich um die Kardamompflanze, die einen angenehmen aromatischen Duft besitzt. Ihre Samen enthalten zudem ein ätherisches Öl, das dem Kaffee eine würzige, süßlich-scharfe Geschmacksnote verleiht.

Übrigens: Drei Tassen Kaffee ist Pflicht. Die erste Tasse ist für den reinen Genuss. Während der zweiten Tasse werden die akuten Probleme besprochen. Die dritte Tasse schließlich dient dem allgemeinen Segen der Anwesenden.

Zentral-afrikanische Republik

Die selbsttätige Zubereitung des Kaffees ist ausschliesslich den Frauen vorbehalten und erfolgt von den Rohkaffeebohnen an.

Diese werden zunächst mit Wasser gewaschen und dann über einem kohlenbeheizten Metallofen in einer flachen Metallpfanne geröstet. Anschliessend werden die heissen Bohnen in einem Mörser zermahlen und mehrfach in heissem Wasser aufgekocht.

Zum Kaffee selbst wird Popcorn oder geröstetes Getreide gereicht.

Übrigens: Tradition sind Kaffee- bzw. Palavertermine mit ausgiebigem Abendmahl. Eine Einladung zum Frühstück allerdings ist eigentlich gar keine, denn dann gibt es lediglich Kaffee - ohne etwas Bissfestes.

Deutschland

Deutschland ist Kaffeevielfalt-Land.

Exemplarisch stellen wir Ihnen die drei Gänge der traditionellen "bergischen Kaffeetafel" vor:
Der erste Gang ist eine dick mit Butter und Honig oder Rübenkraut bestrichene Scheibe Korinthenstuten. Diese wird mit Reisbrei belegt und mit Zucker und Zimt bestreut. Der zweite Gang besteht aus frisch gebackenen Waffeln mit Apfelmus.
Im dritten Gang gibt es bergisches Schwarzbrot mit Butter und "Klatschkäs" (Quark), danach einen bergischen Beerenlikör.

Übrigens: Je nach Wohlstand und Jahreszeit gibt es verschiedene Variationen der Tafel. Im Mittelpunkt jeder Kaffeetafel aber steht die "Dröppelmina": Eine bauchige, birnenförmige Kanne aus Zinn.

Irland

Die wohl berühmteste Kaffee-Kreation der grünen Insel ist der "Irish Coffee".

Ürsprünglich verdanken wir seine Existenz angeblich dem Mangel an Irish Whiskey während der Prohibitionszeit in den USA, da viele Destillerien geschlossen werden mussten und Whiskey deswegen nahezu unerschwinglich wurde.

Findige Iren wichen auf einen "mit frischem Quellwasser bereiteten Kaffee" aus, dem man etwas Zucker und etwa 4 cl Irish Whiskey beigab und in einem Stilglas servierte. Danach rührt man kurz um und setzt eine Sahnehaube darauf.

Der "Irish Coffee" war geboren. Danke.

Schweden

In ganz Skandinavien gibt es in jeder noch so kleinen Hütte einen Kanonenofen mit ausreichend Holzvorrat und dem unvermeidlichen Kaffeewassertopf.
Kocht das Wasser im Töpfchen, wird eine Handvoll Kaffee dazugegeben und noch einmal aufgekocht. Dann muss der Satz des Suds abgewartet werden und schon ist der Kaffe trinkfertig.

Das Kaffeekochen über dem offenen Feuer ist eine Kunst, die Nordschweden schon von klein auf beherrschen. Jeder Kanufahrer oder Wanderer, der etwas auf sich hält, trägt einen kleinen Kaffeetopf und einen Lederbeutel mit "Kochkaffee" bei sich.

Übrigens: Die Zugabe von Milch wird als Verfälschung des Kaffeegeschmacks angesehen.

Argentinien

Argentinier lieben Kaffee: als sichtbarer Beweis dienen die unzähligen Kaffeehäuser in den Städten.
Sie sind die "urbanen Wohnzimmer" und säumen nahezu jede Strasse. Häufig sind selbst die vielen Cafés überfüllt, aber das Warten auf einen Tisch beschert einem ja viele Bekanntschaften.

Immer wieder sieht man das obligatorische Metallkännchen mit Leitungswasser und das Tellerchen mit Keksen, ohne die kein Kaffee serviert wird.

Übrigens: Argentinier mögen den Kaffee so dünn, dass er selbst bei leichtesten Bewegungen an den Tassenrand "schwappt". Er heißt deshalb "Jugo de paraguas", der "Regenschirmsaft".

Brasilien

Um das Jahr 1727 brachte ein brasilianischer Armeeoffizier namens Francisco de Melo Palheta den Kaffee aus Französisch-Guayana nach Belém in Brasilien.

Von diesem Zeitpunkt verfiel Brasilien sowohl dem Kaffee-Anbau als auch dem -Genuss. Kein Wunder, dass deshalb die Spitzenqualitäten aus kleinen Familienbetrieben stammen. Deshalb ist auch mehr das Wasser entscheidend. Gutes Kaffeewasser sollte mineral- und sauerstoffreich sein. Erst dann schmeckt der "Café de olla", ein Kaffee, der mit Zimt zubereitet und dann kalt getrunken wird.

Übrigens: Das portugiesische Wort für Kaffee wird auf das arabische"qahva" (Kraft) zurückgeführt.

Spanien

Vermutlich kennt man den Kaffee in Spanien aus mexikanischer Tradition. Dort wurde ein Gemisch aus Wasser, gerösteten Kaffeebohnen und vermutlich auch Mais getrunken.

Diese recht herbe Mischung dürfte den Spaniern kaum gemundet haben, zumindest nicht ungezuckert.

Heutzutage kann man den Kaffee schon als eigene spanische Nachmittagsmahlzeit bezeichnen. Besonders beliebt ist der "Café con hielo". Dabei wird zum Kaffee ein Trinkglas mit Eiswürfeln serviert, über die nach dem Zuckern der Kaffee gegeben wird.

Übrigens: Geschäfte werden erst nach dem Essen beim Kaffee besprochen und sind dann aber auch verbindlich.

Syrien

Syrer lieben sehr fein gemahlene Kaffees mit reichlich Zucker und Wasser. Diese werden in einem speziell dafür konzipierten, leicht konischen Kupferkesselchen aufgekocht.

Kaffee wird natürlich gerne in Gesellschaft genossen. Dazu setzt man sich auf Bodenkissen oder einfach direkt auf den Boden und vergisst über den Kaffee und das Miteinander die Zeit.

Übrigens: Der Kaffeesatz, der beim syrischen Mokka verbleibt, wird gerne als Dünger verwendet. Er gilt aber auch wegen der fettenden Öle und seiner körnigen Struktur als hervorragendes Mittel für beanspruchte Hände.

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